Hallo Frankfurt and Friends,

Tag 3 in dieser wundervollen Gruppe, und es ist absurd was aus dem Versuch Freund*innen zu vernetzen geworden ist. Aber wie sagt man so schön? The more, the merryier.

Auch wenn die Zeiten momentan so gar nicht merry sind, was wir alle in unserer tagtägliche Arbeit (egal ob in den Stadtteilgruppen oder in der Lohnarbeit) merken. Das lässt häufig ein Gefühl von Ohnmacht und Fassungslosigkeit zurück. Das ist ein Gefühl, was wir alle ernst nehmen und über das wir miteinander reden sollten. Das sind Zeiten, die vermutlich die wenigsten von uns schon erlebt haben oder für denkbar gehalten haben, und es ist vollkommen okay Angst zu haben. Aber wichtig ist: Niemand von uns ist allein, und auch wenn selbstorganisierte Strukturen nicht die schnellsten sind und ihre Zeit brauchen, so hoffen wir, dass am Ende keine Bedürftigen auf der Strecke bleiben.

Die momentane Situation ist aber nicht nur für die sogenannte Risikogruppe eine Herausforderung. Wir sollten alle auch aufeinander achten. Und so schön es ist, dass alle helfen wollen, so wichtig ist es, dass wir auch auf uns und unsere Bedürfnisse achten.

Außerdem wollen wir auch eine Lanze und Verständnis für die Menschen brechen, die es auch unter anderen Umständen alles andere als leicht haben: Alleinerziehende, Eltern, prekär Beschäftige im Niedriglohnsektor, Kunstschaffende werden alle vor neue Herausforderungen gestellt: Miete zahlen, Kinder beschulen und betreuen, Angehörige versorgen und hinzu kommt für viele ein drohender Verdienstausfall. Schwierig ist die Situation auch für viele Menschen, die jetzt mehr denn je durchs Hilfsnetz fallen: Wohnungslose, Drogenkonsumierende und die Menschen die aktuell an Europas Außengrenzen oder auch bei uns in Lagern zusammengepfercht oder abgewiesen werden.

Menschenwürde und Gesundheit sollte keine Frage von Geld oder Staatsbürgerschaft sein, die Schulbildung nicht zu Lasten von im Zweifel noch berufstätigen Eltern gehen und Obdachlosigkeit sollte keine Konsequenz sein, wenn Menschen ihre Mieten pandemiebedingt nicht mehr zahlen können.

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Es gab heute ein erstes Delegiertentreffen aus den verschiedenen Stadtteilgruppen (das 2. findet morgen wieder statt, Link oben) und ab morgen Mittag/Nachmittag haben wir mit etwas Glück stadtteilspezifische Hotlines. Schön wäre es, wenn alle Stadtteilgruppen beginnen würden Tabellen mit ihren Gives und Needs zu führen und versuchen würden, diese straßenspezifisch zu ordnen, um die Wege möglichst kurz zu halten.

Außerdem wollen wir allen nochmal das Lesen des Leitfadens zum sicheren Helfen ans Herz legen: egal ob ihr nun in einer der Gruppen oder Privat helft… Lieber einigen wenigen in Form eines Pat*innensystems und damit potentielle Infektionsketten geringhalten.

Den Leitfaden gibt es dank fleißiger Übersetzer*innen jetzt auch in englischer und spanischer Sprache und auch die Website wurde in diese beiden Sprachen übersetzt. Vielen Dank auch für diese Arbeit!

Außerdem haben wir es heute ins Fernsehen geschafft: Beim Maintower gab es einen kleinen Bericht über uns (Hilfe in schweren Zeiten), weitere Medien die wir versuchen zu erobern sind Zeitungen (dazu morgen mehr) und Instagram (@coronasoliffm).

Außerdem hat sich eine Gruppe gegründet, die Eltern entlasten möchte und Nachhilfe für Kinder anbietet. Hier wird noch Verstärkung gesucht. Eltern können sich aber auch jetzt schon an die freiwilligen Helfer*innen wenden.

Wir können keine Prognose über den Verlauf der nächsten Tage geben, aber wir sind uns sicher, dass wir es gemeinsam deutlich besser schaffen die kommenden Tage zu überstehen. Wie in anderen Ländern könnte es bald auch hier zu weiteren Maßnahmen kommen, die unsere Bewegungsfreiheit im Alltag einschränken. Ohne in Panik zu verfallen, sollten wir uns darauf einstellen. Also etwa überlegen, mit wem, in welcher Wohnung und wie wir diese Zeit verbringen möchten. Außerdem ist es wahrscheinlich sinnvoll, jetzt schon darüber nachzudenken, wie wir unsere Hilfsangebote unter diesen Bedingungen aufrechterhalten können.

Wir freuen uns mit euch zusammenarbeiten zu dürfen und es berührt uns zu sehen, dass auch in schweren Zeiten Menschen zusammenrücken können, statt sich gegeneinander ausspielen zu lassen.